Herr Dundee, Sie verfolgen ja seit Beginn der WM interessiert die Geschehnisse. Was waren für Sie bisher die größten Überraschungen?
Sean Dundee: Natürlich hat das Ausscheiden von Italien und Frankreich echt für eine Überraschung gesorgt. Zwei Mannschaften, die normalerweise problemlos die Vorrunde überstehen müssten. Mexiko und Uruguay haben mir von ihrer Spielweise sehr gut gefallen. Eine Sache dir mir neben dem Fußball sehr positiv aufgefallen ist, dass diese Weltmeisterschaft diesem Land einfach gut tut und ich den Eindruck habe, dass die Menschen sich von dieser Euphorie mitreißen lassen. Ich hoffe, dass diese Freude auch nach der WM noch anhält.
Am Mittwoch hat die deutsche Nationalmannschaft mit einem Sieg über Ghana das Achtelfinale erreicht. Im nächsten Spiel geht es gegen England. Wie stehen die Chancen für die jungen deutschen Kicker weiterzukommen?
Sean Dundee: Die Chancen stehen nicht so schlecht, wobei die englische Mannschaft natürlich mit ihrem Team über mehr erfahrene Spieler verfügt. Glück für uns ist hoffentlich, dass England bisher noch nicht so richtig ihre Form gefunden hat. Die Vorrunde hätte für dieses Team auch anders enden können.
Südafrika ist trotz einer guten Leistung im letzten Spiel als erste Gastgebermannschaft ausgeschieden. Sind die Südafrikaner sehr enttäuscht?
Sean Dundee: Die Südafrikaner haben immer gehofft, dass es noch zum Weiterkommen reicht. Wichtig war der Sieg gegen Frankreich im letzten Spiel. Jeder hat dabei gesehen, dass hier eine Mannschaft auf dem Platz steht, die kämpft und am Ende verdient gewonnen hat. Jetzt freuen sich alle auf die noch verbleibenden Spiele und vor allem über Ghana, das den Sprung ins Achtelfinale geschafft hat.
Wie schätzen Sie die Chancen von dem Team aus Ghana ein?
Sean Dundee: Gegen die USA sind sie zwar nicht Favorit, haben aber durchaus das Potential weiterzukommen. Denken Sie nur zurück an die WM in Deutschland 2006. Da hat Ghana die USA im letzten Gruppenspiel aus dem Turnier befördert und ist ins Achtelfinale eingezogen. Also, alles ist möglich.
Vor zwei Wochen ist ein anderes afrikanisches Team, nämlich Südafrika, vorzeitig Weltmeister geworden – bei der Mini-WM in Nkobongo. Sie waren als Schirmherr bei diesem Turnier mit dabei. Wie haben Sie dieses Event erlebt?
Sean Dundee: Die Veranstaltung war großartig. Trotz des schlechten Wetters und strömendem Regen haben die Kinder gezeigt, wie wichtig ihnen dieser Sport ist. Besonders bewegend war für mich, dass die Kinder teilweise ohne Fußballschuhe gespielt haben und trotzdem eine solche Freude dabei hatten.
Kurz vor den Spielen haben Sie mit einem ora-Mitarbeiter einige Familien besucht, die ora international unterstützt. Welche Eindrücke haben Sie von diesen Besuchen mitgenommen?
Sean Dundee: Ich wohne 30 Minuten Autofahrt von Nkobongo entfernt und es sind Welten zwischen diesem Township und meinem Zuhause. Es war teilweise erschütternd zu sehen, in welchen Umständen diese Familien in ihren kleinen Behausungen wohnen müssen. Umso wichtiger finde ich, dass Organisationen wie ora international sich dieser Kinder annehmen und beginnen neue Perspektiven zu schaffen.
Nun noch einmal zum Fußball. Die Vorrunde ist fast vorbei und einige Favoriten wie Frankreich und Italien sind schon aus dem Turnier ausgeschieden. Andere Topmannschaften wie England oder Spanien laufen ihrer Form hinterher. Was ist Ihr Tipp: wer wird Weltmeister?
Sean Dundee: Argentinien und Brasilien sind für mich nach wie vor Favoriten. Wenn ich einen Tipp für eine europäische Mannschaft abgeben müsste, würde ich wahrscheinlich auf die Holländer tippen. Sie haben sehr gute individuelle Spieler und kommen auch als Mannschaft immer besser ins Spiel. Wenn Robben nun langsam wieder fit wird, kann dieses Team sehr weit kommen.
Herr Dundee, vielen Dank für dieses Gespräch.