Monatsarchiv: Juni 2010

Aufklärung in Sachen Aids

Pilani sitzt auf einem alten Sofa in seinem kleinen 18 qm-großen Einraumhäuschen in Nkobongo. Die Fensterscheibe die zur wenig befahrenen Straße führt ist schon seit Monaten kaputt. Das Geld für eine neue fehlt. „Ich fühle mich trotz allem wohl in Nkobongo, weil ich schon lange hier wohne. Ich kenne hier jede Ecke und jede Menge Menschen.“

Pilani ist 22 Jahre alt und arbeitet bei unserer lokalen Partnerorganisation NOAH als „Volunteer“ (ehrenamtlicher Helfer). Vor vielen Jahren war er selbst eines jener Kinder, die jeden Tag nach der Schule in die Arche gekommen sind und ein warmes Mittagessen bekommen haben. Heute sagt er, dass er ohne die Unterstützung von Menschen aus der Arche heute wahrscheinlich wie viele junge Männer in seinem Alter arbeitslos, alkoholabhängig oder kriminell geworden wäre. „Viele junge Menschen haben einfach keine Perspektive und oft auch schlechte Vorbilder. Es gibt zudem fast keine Familie, die nicht irgendein Opfer durch Aids zu beklagen hat.“

Pilanis Eltern sind schon beide gestorben – die Lebenserwartung in Nkobongo liegt bei Männern bei knapp über 41 Jahren. Einer von vielen Gründen, warum Aufklärungsarbeit dringend notwendig ist.

Alle zwei Wochen lehrt Pinali deshalb die Kinder und Jugendlichen in der Arche über die Gefahren und den Schutz vor der Krankheit AIDS. „Leider kursieren immer noch abenteuerliche Geschichten über diese Krankheit, z.B. dass nach einem Sexualkontakt eine Dusche ausreichend Schutz bieten würde. Es ist wichtig, dass die Kinder verstehen, dass ein richtiger Umgang sie vor dieser Gefahr schützen kann.“  Pilani steht auf und geht nach draußen, wo seine Kinder Fangen spielen: „Ich hoffe, dass wir durch unsere Arbeit unseren Kindern helfen können, gute Vorbilder für ihre Generation zu werden.“

Südafrika-Inside: The Big Five

In zahlreichen Nationalparks und Wildreservaten können Besucher Südafrikas die Schönheit von Natur und Tieren bestaunen. Ein besonderes Highlight ist es, einen Vertreter der fünf großen Säugetiergruppen (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) anzutreffen. Die Bezeichnung „Big Five“ stammt noch aus der Zeit der Großwildjäger und bezog sich vorwiegend auf die Schwierigkeiten und Gefahren bei der Jagd auf diese Tiere.

Neben Südafrika sind die „großen Fünf“ u.a. auch in Kenia, Simbabwe, Tansania und Namibia auf Safaris beheimatet.

Sean Dundee im Interview: “Brasilien oder Argentinien wird Weltmeister!”

Herr Dundee, Sie verfolgen ja seit Beginn der WM interessiert die Geschehnisse. Was waren für Sie bisher die größten Überraschungen?

Sean Dundee: Natürlich hat das Ausscheiden von Italien und Frankreich echt für eine Überraschung gesorgt. Zwei Mannschaften, die normalerweise problemlos die Vorrunde überstehen müssten.  Mexiko und Uruguay haben mir von ihrer Spielweise sehr gut gefallen. Eine Sache dir mir neben dem Fußball sehr positiv aufgefallen ist, dass diese Weltmeisterschaft diesem Land einfach gut tut und ich den Eindruck habe, dass die Menschen sich von dieser Euphorie mitreißen lassen. Ich hoffe, dass diese Freude auch nach der WM noch anhält.

Am Mittwoch hat die deutsche Nationalmannschaft mit einem Sieg über Ghana das Achtelfinale erreicht. Im nächsten Spiel geht es gegen England. Wie stehen die Chancen für die jungen deutschen Kicker weiterzukommen?

Sean Dundee: Die Chancen stehen nicht so schlecht, wobei die englische Mannschaft natürlich mit ihrem Team über mehr erfahrene Spieler verfügt. Glück für uns ist hoffentlich, dass England bisher noch nicht so richtig ihre Form gefunden hat. Die Vorrunde hätte für dieses Team auch anders enden können.

Südafrika ist trotz einer guten Leistung im letzten Spiel als erste Gastgebermannschaft ausgeschieden. Sind die Südafrikaner sehr enttäuscht?

Sean Dundee: Die Südafrikaner haben immer gehofft, dass es noch zum Weiterkommen reicht. Wichtig war der Sieg gegen Frankreich im letzten Spiel. Jeder hat dabei gesehen, dass hier eine Mannschaft auf dem Platz steht, die kämpft und am Ende verdient gewonnen hat. Jetzt freuen sich alle auf die noch verbleibenden Spiele und vor allem über Ghana, das den Sprung ins Achtelfinale geschafft hat.

Wie schätzen Sie die Chancen von dem Team aus Ghana ein?

Sean Dundee: Gegen die USA sind sie zwar nicht Favorit, haben aber durchaus das Potential weiterzukommen. Denken Sie nur zurück an die WM in Deutschland 2006. Da hat Ghana die USA im letzten Gruppenspiel aus dem Turnier befördert und ist ins Achtelfinale eingezogen. Also, alles ist möglich.

Vor zwei Wochen ist ein anderes afrikanisches Team, nämlich Südafrika, vorzeitig Weltmeister geworden – bei der Mini-WM in Nkobongo. Sie waren als Schirmherr bei diesem Turnier mit dabei. Wie haben Sie dieses Event erlebt?

Sean Dundee: Die Veranstaltung war großartig. Trotz des schlechten Wetters und strömendem Regen haben die Kinder gezeigt, wie wichtig ihnen dieser Sport ist. Besonders bewegend war für mich, dass die Kinder teilweise ohne Fußballschuhe gespielt haben und trotzdem eine solche Freude dabei hatten.

Kurz vor den Spielen haben Sie mit einem ora-Mitarbeiter einige Familien besucht, die ora international unterstützt. Welche Eindrücke haben Sie von diesen Besuchen mitgenommen?

Sean Dundee: Ich wohne 30 Minuten Autofahrt von Nkobongo entfernt und es sind Welten zwischen diesem Township und meinem Zuhause. Es war teilweise erschütternd zu sehen, in welchen Umständen diese Familien in ihren kleinen Behausungen wohnen müssen. Umso wichtiger finde ich, dass Organisationen wie ora international sich dieser Kinder annehmen und beginnen neue Perspektiven zu schaffen.

Nun noch einmal zum Fußball. Die Vorrunde ist fast vorbei und einige Favoriten wie Frankreich und Italien sind schon aus dem Turnier ausgeschieden. Andere Topmannschaften wie England oder Spanien laufen ihrer Form hinterher. Was ist Ihr Tipp: wer wird Weltmeister?

Sean Dundee: Argentinien und Brasilien sind für mich nach wie vor Favoriten. Wenn ich einen Tipp für eine europäische Mannschaft abgeben müsste, würde ich wahrscheinlich auf die Holländer tippen. Sie haben sehr gute individuelle Spieler und kommen auch als Mannschaft immer besser ins Spiel. Wenn Robben nun langsam wieder fit wird, kann dieses Team sehr weit kommen.

Herr Dundee, vielen Dank für dieses Gespräch.

Ferienprogramm in der Arche

Südafrika hat gerade Winterferien und aufgrund der Weltmeisterschaft sogar zwei Wochen länger als gewöhnlich. In Nkobongo erfreuen sich die Kinder an einem Ferienprogramm, das nachmittags stattfindet. Jede Woche steht dabei unter einem anderen Thema. Nachdem die Kinder in der letzten Woche Bilder zur WM gemalt haben, steht in dieser Woche für die älteren Kinder “Schach” auf dem Programm.

Bevor es allerdings mit dem Spielen losgehen kann, muss zunächst einmal ein geeignetes Spielfeld gestaltet werden. Mit Schere, Lineal und Pappe geht es los. Da wird geschnippelt, gemessen und gemalt.

Wer bald der Gewinner des ersten Schachwettbewerbs sein wird? Wir werden sehen und bestimmt darüber berichten…

Jeden Tag ein warmes Essen

In Südafrika sind gerade Winterferien. In der Arche in Nkobongo ist aber dennoch Hochbetrieb, vor allem um die Mittagszeit. Dann arbeiten Joyce und ihre Kollegin auf Hochtouren. Sie stehen in der Küche und vor ihnen dampfen einige große Töpfe vor sich hin.

„Von Montag bis Freitag bin ich mit meiner Kollegin hier und wir kochen den Kindern eine warme Mahlzeit. Für mich ist das ein besonderer Dienst, den ich tun kann.“ Im Hintergrund ist Gelächter zu hören. Zwei Kinder sind gerade beim Abspülen und haben sichtlich Spaß dabei, sich mit dem Spülwasser eine kleine Wasserschlacht zu liefern. Joyce, die selbst zwei Kinder hat, nimmt das mit Humor. Sie hat gerne Kinder um sich.

Seit zwei Jahren ist sie Köchin in der von ora unterstützten Arche in Nkobongo und bekocht täglich zwischen 200 – 300 Kinder, die nach der Schule hier eine warme Mahlzeit bekommen. „Für viele Kinder ist das die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Manche kommen nach dem Wochenende oft hungrig zu uns und essen sich erstmal satt.“ Bei dem Essen wird besonders auf eine gesunde Ernährung geachtet. Kartoffeln, Gemüse, Obst, manchmal gibt es auch Fleisch. Heute gibt es Putu, ein einheimisches Maisbreigericht mit Fisch.

In dem großen Saal, der am Wochenende auch von einer Gemeinde genutzt wird, werden Tische aufgebaut und Stühle gestellt.

„Die Kinder helfen bei allem mit: beim Eindecken der Tische, dem Abspülen der Töpfe und des Geschirrs. Wenn alle fertig sind, wird von zwei Kindern noch der Saal gefegt“, erzählt Joyce. „Sie sollen lernen Verantwortung zu übernehmen.“

Die Vuvuzela

Es vergeht kein Tag in Südafrika und mittlerweile noch nicht einmal Mitteleuropa, an dem sie nicht zu hören sind: die Vuvuzelas. Jene konische, bis zu einem Meter lange Röhre aus Kunststoff oder Blech, die diesen unverwechselbaren Sound erzeugt, der einzeln an das Tröten eines Elefanten erinnert – im Chor eher an einen Hornissenschwarm.

Ursprünglich aus Blech hergestellt, wurde die Vuvuzela in den 1990er Jahren in Südafrika entwickelt. Im Jahr 2001 begann das südafrikanische Unternehmen Masincedane Sport mit der Massenproduktion aus Kunststoff. Mittlerweile gehört die Tröte zu den offiziellen Fanartikeln.

Zu Kritikern der Vuvuzela gehören vor allem diverse prominente Spieler der Weltmeisterschaft, die sich von dem durchdringenden Lärm während des Spiels gestört fühlen. Die Reporter fühlen sich in ihrer Arbeit durch die Geräuschkulissen ebenfalls behindert. Auch in Südafrika selbst gibt es kontroverse Diskussionen. Zur Senkung des Schalldruckpegels von 131 auf etwa 100 dB(A) werden deshalb die so genannten Vuvu-Stopper oder Tulazela angeboten, die aufgrund einer hohen Nachfrage größtenteils schon ausverkauft sind.

Ob nun Marketinginstrument, nervende Tröte oder Kultinstrument: die Vuvuzela wird uns von der WM 2010 in Erinnerung bleiben, wie dieser Frau, die bei der Mini-WM ihre Trompetenkünste zum Besten gab.

Bildergalerie zur Mini-WM

Die Mini-WM mit dem Weltmeister Südafrika liegt nun schon wieder über eine Woche zurück. Einige Bilder von der überaus gelungenen Veranstaltung wollen wir nicht vorenthalten.

Mehr gibt es auch im Flickr-Album von ora international.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trotz des gestrigen 0:3 gegen Uruguay ist die Hoffnung noch da, dass es die südafrikanische Nationalmannschaft schafft, in die Runde der letzten 16 Mannschaften zu kommen.

Auch die Kinder aus Nkobongo fiebern mit – und drücken auf kreative Art ihre Sympathie zur “Bafana, Bafana” aus. Und alle hoffen, dass im letzten Gruppenspiel am kommenden Dienstag gegen Frankreich ein kleines Fußballwunder wahr wird.

Ein Kasten Buntes

Ein "Feld" voller "Earth Boxes"

Frisches Grün, leuchtendes Rot, strahlendes Gelb oder kräftiges Violett, alles nussbraun umrahmt – so sieht er aus, der Kasten Buntes, der bald in großer Zahl im ora-Projekt in Nkobongo stehen soll. „Earth Box“ wird er genannt und dahinter verbirgt sich ein innovatives System, das es erlaubt, mit nur geringem Einsatz von Dünger und Wasser eine Vielzahl von Pflanzen anzubauen und große Erträge zu erzielen.

Rote Tomaten wachsen in der „Earth Box“ ebenso wie gelbe Paprika, grüne Zucchini oder violette Auberginen. Bis zu 16 Setzlinge passen in einen Kasten, eine Folie schützt sie darin vor Austrocknung, das Nährmedium im Inneren versorgt sie mit einer Vielzahl von Mineralien. Das Beste an der „Earth Box“ aber ist, dass selbst Kinder sie bewirtschaften können. Deshalb möchte ora international im Rahmen der Kampagne „Weltmeister der Herzen“ den Aids-Waisen Nkobongos etwa 100 „Kästen Buntes“ schenken. Mehr zur Sammelaktion erfahren Sie in unserem Sonder-Update zur Fußball-Weltmeisterschaft oder hier.

Diski-Tanz Teil 2

Wie bereits am Freitag angekündigt, stelle ich heute meine ersten Tanzversuche online. Die Kids hatten wirklich Geduld und vor allem jede Menge Spaß.